
Die Statistiken sind erschreckend: Etwa ein Drittel aller produzierten Lebensmittel weltweit geht verloren oder wird verschwendet, was etwa 1,03 Milliarden Tonnen pro Jahr entspricht. Allein in Europa werden jährlich etwa 59 Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet, wobei Deutschland etwa 11 Millionen Tonnen beisteuert. Dies entspricht etwa 131 kg pro Person jährlich – das ist ungefähr das Gewicht eines neugeborenen Elefanten und liegt damit deutlich über dem globalen Durchschnitt von 79 kg.
Aber warum ist das ein so wichtiges Problem, und was können wir dagegen tun?
Lebensmittelverschwendung umfasst alle für den menschlichen Verzehr bestimmten Lebensmittel, die weggeworfen werden, sei es auf Produktions-, Einzelhandels- oder Haushaltsebene. Ein erheblicher Teil dieser Verschwendung stammt aus Haushalten – in Deutschland sind es je nach Quelle zwischen 53 und 59%. Obst und Gemüse machen den größten Teil dieser Verschwendung aus, gefolgt von Backwaren, Fertiggerichten und Milchprodukten.
Die Umweltauswirkungen der Lebensmittelverschwendung sind enorm. Sie ist für 8-10% der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Wenn Lebensmittelverschwendung ein Land wäre, würde es als viertgrößter Emittent von Treibhausgasen rangieren. Allein in der EU verursacht Lebensmittelverschwendung etwa 16% der gesamten Emissionen aus dem Lebensmittelsystem. Diese Emissionen tragen erheblich zum Klimawandel bei und verschärfen die Umweltzerstörung und den Ressourcenverbrauch.
Lebensmittelverschwendung tritt auf, während weltweit täglich 828 Millionen Menschen hungern und 2,3 Milliarden Menschen keinen ausreichenden Zugang zu Nahrung haben. In der EU können sich fast 33 Millionen Menschen nicht jeden zweiten Tag eine volle Mahlzeit leisten. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind ebenfalls erheblich, mit bis zu 132 Milliarden Euro, die jährlich allein in Europa durch Lebensmittelverschwendung verloren gehen. Haushalte können zwischen 270 und 720 Euro pro Jahr sparen, wenn sie ihre Lebensmittelverschwendung vollständig reduzieren würden.
Lebensmittelverschwendung tritt entlang der gesamten Lieferkette auf, vom Lebensmittelanbau über die Lieferkette bis zu den Haushalten. In der EU sind Haushalte mit 59% die größten Verursacher, gefolgt von der Verarbeitungs- und Herstellungsbranche (20%), der Primärproduktion (10%), Restaurants und Lebensmittel Services (9%) sowie dem Einzelhandel (7%).
Die Ursachen für Lebensmittelverschwendung treten auf verschiedenen Ebenen auf. Ein wesentlicher Faktor ist das Verbraucherverhalten, einschließlich Missverständnissen bei Haltbarkeitsdaten, übermäßiges Einkaufsverhalten und unzureichender Lagerung. Im Einzelhandel und in der Gastronomie führen Überbestände, strenge ästhetische Standards und fehlende Systeme für Lebensmittelspenden zu erheblichen Abfällen. Auf landwirtschaftlicher Ebene tragen ineffiziente Erntemethoden und Produktionsprozesse zur Verschwendung bei. Kulturelle Einstellungen, die Überfluss und Vielfalt bevorzugen, sowie die Entfremdung der Konsumenten von der Lebensmittelproduktion verschärfen das Problem.
Lebensmittelreste entstehen oft, weil man im Laden einfach drauf los kauft. Wer die Mahlzeiten voraus plant und mit Einkaufsliste loszieht, besorgt in der Regel nur das, was am Ende auch wirklich im Kochtopf landet. Es kann übrigens richtig Spaß machen, sich kreative Rezepte für die Überbleibsel im Kühlschrank auszudenken. Wie man nachhaltiger Lebensmittel konsumieren kann, haben wir hier schon einmal für Sie zusammengestellt.
Für Haushalte:
Für Restaurants und Lebensmittel Services:
Die Bekämpfung der Lebensmittelverschwendung ist entscheidend für die Gesellschaft, die Umwelt und die Wirtschaft. Die Reduzierung der Lebensmittelverschwendung kann helfen, den Hunger zu lindern, die Treibhausgasemissionen zu verringern und Geld zu sparen. Beispielsweise können Haushalte durch die Reduzierung der Verschwendung erhebliche Beträge jährlich sparen, und weniger Lebensmittelverschwendung kann zu niedrigen Lebensmittelpreisen und einer geringeren Umweltbelastung führen.
Lebensmittelverschwendung ist ein komplexes Problem mit weitreichenden Folgen. Durch das Verständnis des Ausmaßes des Problems und die Umsetzung praktischer Schritte zur Reduzierung der Verschwendung können wir einen erheblichen positiven Einfluss auf unsere Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft ausüben. Jede kleine Handlung zählt, von besserer Mahlzeitenplanung zu Hause bis hin zu systemischen Veränderungen im Umgang mit Lebensmitteln entlang der Lieferkette. Lassen Sie uns alle unseren Teil dazu beitragen, Lebensmittelverschwendung zu reduzieren, wiederzuverwenden und unser Denken zu ändern.
Für weitere Lektüre und detaillierte Statistiken bieten die folgenden Quellen umfassende Informationen:
Durch Information und proaktives Handeln können wir gemeinsam Lebensmittelverschwendung bekämpfen und eine nachhaltigere Zukunft fördern.
Quellen:
United Nations Environment Programme, Food Waste Index Report 2024. Think Eat Save: Tracking Progress to Halve Global Food Waste. [online]. Available: https://wedocs.unep.org/20.500.11822/45230. [Accessed: Aug. 6, 2024].
United Nations Environment Programme, Food Waste Index Report 2024. Think Eat Save: Tracking Progress to Halve Global Food Waste. [online]. Available: https://wedocs.unep.org/20.500.11822/45230
EU Joint Research Center, 2023
United Nations Environment Programme, Food Waste Index Report 2024. Think Eat Save: Tracking Progress to Halve Global Food Waste. [online]. Available: https://wedocs.unep.org/20.500.11822/45230